Einen Moment …

Mein Leben
Mein Leben
Aufgeschrieben für meine Familie
Für meine Kinder
und Enkel
Inhalt
- Morgens im Stall5
- Das blaue Kleid7
- Der letzte Tanz9
- Mein eigenes Atelier11
- Was ich euch mitgebe13

Morgens im Stall
Ich bin auf einem Bauernhof im Emmental aufgewachsen, zusammen mit drei Brüdern. Ich war die einzige Tochter, und das hiess vor allem eines: mithelfen, immer.
Am Morgen, noch vor der Schule, mussten wir die Kühe melken. Im Winter war es dabei noch dunkel. Viel hatten wir nicht, aber gehungert haben wir nie.
Am schönsten war der Sonntag. Dann buk die Mutter Züpfe, und wir liefen alle zusammen in die Kirche. Eine halbe Stunde zu Fuss, bei jedem Wetter.
Das blaue Kleid
Eigentlich wollte ich Lehrerin werden. Doch das ging damals nicht. Das Geld war nicht da, und der Vater fand, ein Mädchen brauche das nicht.
So machte ich in Burgdorf eine Lehre als Schneiderin. Am Anfang war ich traurig darüber. Aber dann habe ich das Nähen richtig lieben gelernt.
Mit siebzehn nähte ich mir mein erstes eigenes Kleid. Es war blau, und es hängt noch heute in meinem Schrank.


Der letzte Tanz
Kennengelernt habe ich Ernst 1969 an einem Tanz im Dorf, im Sternen. Natürlich trug ich das blaue Kleid.
Ernst stand den ganzen Abend an der Bar und traute sich nicht. Erst beim letzten Lied kam er zu mir und fragte, ob ich tanzen wolle. Dreimal ist er mir auf die Füsse getreten!
Aber danach begleitete er mich nach Hause, zu Fuss, eine ganze Stunde lang. Zwei Jahre später haben wir geheiratet.
Mein eigenes Atelier
Natürlich bin ich stolz auf unsere drei Kinder. Aber für mich selbst bin ich am meisten stolz auf mein eigenes Nähatelier.
Ich eröffnete es 1985, mit 37 Jahren, als die Kinder grösser waren. Alle sagten, das schaffst du nicht. Fast dreissig Jahre lang habe ich dann Brautkleider genäht.
Ich glaube, es waren über zweihundert Bräute. Und bei fast jeder Hochzeit habe ich geweint.


Was ich euch mitgebe
Habt keine Angst, etwas Neues anzufangen, auch wenn ihr nicht mehr jung seid.
Haltet zusammen als Familie. Ernst sagte immer: «Es gibt kein Problem, das man nicht an einem Tisch lösen kann.» Und das stimmt.
Also: Esst zusammen, redet miteinander. Und vergesst nicht, auch mal zu tanzen.
Platz für eure Erinnerungen
«Es gibt kein Problem, das man nicht
an einem Tisch lösen kann.»
